FAPIQ Wanderausstellung vom 2. bis zum 10. Mai in Friesack.
Lösungideen für Wohnraum, Einkaufen und Gesundheit.

Bereits heute ist fast jeder vierte (23 %) Einwohner im Amt Friesack älter als 65 Jahre. Bis 2030 wird es mehr als jeder Dritte (36 %) sein. Gleichzeitig schrumpft die Zahl von Menschen im erwerbsfähigen Alter. Dies geht aus der Bevölkerungsvorausschätzung des Landesamtes für Bauen und Verkehr (LBV) 11/2018 hervor. Daraus ergeben sich Herausforderungen, aber auch Chancen, für die Gesellschaft – insbesondere für soziale Träger, Verwaltung, Wirtschaft und Politik. Um den Austausch zum Umgang mit dem demografischen Wandel und die Schaffung von Lösungen zu fördern, lädt die Sozialstation Friesack am Donnerstag 2. Mai um 17 Uhr zur FAPIQ-Ausstellungseröffnung. Zwischen dem 3. und 10. Mai kann die Ausstellung im Foyer vom Amt Friesack kostenfrei besucht werden.

Das vom Land Brandenburg geförderte Projekt der Fachstelle Altern und Pflege im Quartier im Land Brandenburg (FAPIQ) zeigt dabei Beispiele für lebendige Quartiere, kommunale Altenhilfe- und Pflegeplanung, alternsgerechte Quartiersentwicklung, neue Wohnformen sowie alltagsunterstützende Angebote und Technik. Die Ausstellungseröffnung hat Wirtschaft, Verwaltung und Bürgern die Chance geboten mit jenen ins Gespräch zu kommen die direkt betroffen sind: Mitarbeiter der Pflege und Senioren. Auch jüngere Einwohner, die sich bereits die Frage stellen, ob sie in Friesack würdevoll Altern können, waren zu Gast.

In einem kurzen Workshop haben die Teilnehmer erste Lösungsideen für die drei Chancenfelder Wohnraum, Einkaufen und Gesundheit in der Stadt Friesack entwickelt. Mit dabei waren u.a. Andrea Behrendt-Siemenowski (Sozialstation Friesack), Klaus J. Otto von der Fachstelle Altern und Pflege im Quartier im Land Brandenburg (FAPIQ), Stephanie Drosch von der Wirtschaftsförderung Land Brandenburg (WFBB), Martin Brinckmann von der Investitionsbank des Landes Brandenburg (ILB), Christian Pust vom Amt Friesack, Dagmar Möller von der Bürgerinitiative Bündnis für Friesack (BFF), Dr. Christian Meyer (Bürgermeister Pessin), Christoph Köpernick vom Innovation Hub Havelland (iHVL) und die bekannte Friesackerin Hannelore Waldmann. Um die Tontechnik hat sich Michael Abelmann (Lila Wand) gekümmert und das anschließende BBQ wurde vom Partyservice Möllerei3 organisiert. Es wurde für den Ausbau vom Gemeindehaus im Friesacker Ortsteil Zootzen gespendet.

Workshop mit drei Arbeitsgruppen

Der Workshop wurde von Christoph Köpernick moderiert und die Teilnehmer haben innerhalb von 45 Minuten innovative Lösungsideen für die drei Chancenfelder Wohnraum, Einkaufen und Gesundheit entwickelt. Um die Ideenentwicklung zügig anzustoßen, sind die drei Arbeitsgruppen von je einer hypothetischen Ausgangssitation gestartet. Die Situationen waren durch konkrete Beispiele aus der Stadt Friesack inspiriert. Die Vorgehensweise orientierte sich am Design-Thinking-Ansatz: Im ersten Schritt wurde das Problem, in der Diskussion mit verschiedenen Akteuren und aus verschiedenen Blickwinkeln, explorativ verstanden. Nach einem gemeinsamen Problemverständnis haben die Teilnehmer möglichst viele Lösungsideen gesammelt. Dann wurde die Fokussierung auf einen Lösungsansatz gefordert. Dieser wurde konzipiert und schlussendlich musste die Next Best Action zur Umsetzung gefunden werden.

Nach einer Drei­vier­tel­stun­de haben die drei Teams ihre jeweiligen Lösungen den anderen Teams vorgestellt. Die Ansätze wurden diskutiert und es konnte für jedes Team eine gemeinsame Empfehlung für den nächsten Schritt formuliert werden.

Bei dieser Vorgehensweise wurden komplexe Zusammenhänge bewusst unter Zeitdruck vereinfacht, um erste Impulse zur Lösung zu entwickeln und die Motivation zur Teilhabe zu fördern. In weiteren Schritten müssen die Themen systemisch tiefer beleuchtet und iterativ hin zur Umsetzung ausgearbeitet werden.

Arbeitsgruppe A: Wohnraum

Die Arbeitsgruppe „Wohnraum“ startete auf Grundlage der folgenden These:

Auch in Friesack geht der Anteil der Menschen im arbeitsfähigen Alter zurück. Es mangelt besonders an Pflegekräften. Begeistern sich Menschen von außerhalb für das Leben und Arbeiten in Friesack, so fehlt es oft an kleinen Mietwohnungen für Singles, Alleinerziehende und kinderlose Paare. Auf der anderen Seite leben viele ältere Menschen allein in großen Häusern – Angehörige sind mit der Zeit weggezogen oder verstorben. Einige plagen Altersarmut und soziale Abgeschiedenheit; für den Umzug in ein Heim ist es noch viel zu früh.

Die komplette Aufgabenstellung hier im Arbeitsblatt „Wohnraum“ (PDF).

Lösungsidee

Wohnungs-/Haustausch zwischen Alt und Jung nach gegenseitigem und moderiertem Beschnuppern; bei Neubauten gleich das generationenübergreifende Wohnen (z.B. Einliegerwohnung) einplanen; neue Wohngemeinschaften gründen.

Nächster Schritt zur Umsetzung: Herr Otto von FAPIQ bietet an, dass wir einen Folgetermin veranstalten, um bei der Lösungsidee von Erfolgsbeispielen zu lernen, den Austausch weiterer Akteure vorantreiben und ein Pilotprojekt entwerfen.

Arbeitsgruppe B: Einkaufen

Die Arbeitsgruppe „Einkaufen“ startete auf Grundlage der folgenden These:

Auch in Friesack stirbt der Einzelhandel aus. Vor Kurzem haben der letzte Fleischer und die einzige Drogerie ihre Geschäfte aufgegeben. Der Fahrradladen wird folgen und auf dem Wochenmarkt schwindet die Anzahl der Händler. Das stört nur Wenige. Stattdessen bedienen Supermärkte und Online-Versandhandel zunehmend die Nachfrage. Doch: Für das Online-Shopping braucht es Internetkompetenz und für neuartige Einkaufserlebnisse (virtuelle Realität) blitzschnellen Zugang. Die Ware aus dem Internet und aus den Supermärkten legt lange Wege zurück, während um die Ecke Gemüse, Obst und Fleisch produziert werden.

Die komplette Aufgabenstellung hier im Arbeitsblatt „Einkaufen“ (PDF).

Lösungsidee

Emergente Konsumentenbedürfnisse, ohne direkten Wettbewerb mit Discountern, durch neuartige Angebote befriedigen: Fahrende Händler und Lieferdienste mit Produkten aus der Region, sowie betreutes Online-Shopping.

Nächster Schritt zur Umsetzung: Herr Abelmann bietet einen Einführungskurs für Senioren zum Thema „Internet & Online-Shopping“ an. Die Sozialstation würde dazu Räumlichkeiten bereitstellen, um Computer mit Internetanschluss aufzustellen. Herr Otto bietet an, dass man sich für das kommende Jahr um eine Förderung dazu bewerben könnte. In Einzelgesprächen wird entdeckt, dass die reine Internetkompetenz vermutlich nicht ausreicht, sondern sich ggf. die Gelegenheit für einen lokalen Dienst als Online-Shopping-Butler bietet.

Arbeitsgruppe C: Gesundheit

Die Arbeitsgruppe „Gesundheit“ startete auf Grundlage der folgenden These:

Das Landleben bietet viele Vorteile. Doch je geringer die Bevölkerungsdichte, desto schwieriger und teurer ist die Sicherstellung der medizinischen Versorgung. Allein die Sozialstation veranstaltet monatlich ca. 150 Fahrten zu Fachärzten nach Rathenow und Nauen. Die Fahrten belasten die Umwelt, binden Personal und kosten viel Zeit und Geld. In der Hälfte der Fälle reicht ein Blick des Facharztes, ein kurzes Gespräch oder die Auswertung von Laborwerten. Dann wird Entwarnung gegeben, die passende Medikation verschrieben oder der Heilungsfortschritt wurde kontrolliert.

Die komplette Aufgabenstellung hier im Arbeitsblatt „Gesundheit“ (PDF).

Lösungsidee

Bundesweite Pilotprojekte für die innovative und digital unterstützte Gesundheitsversorgung (z.B. Telemedizin) nach Friesack lenken, mobile Fachärzte (z.B. Orthopäden) periodisch in die Stadt locken und Standortvorteile für die dauerhafte Ansiedelung von Fachärzten hervorheben.

Nächster Schritt zur Umsetzung: Frau Behrendt-Siemenowski bietet an, dass die Sozialstation weiterhin als Partner für Pilotprojekte, wie bspw. derzeit mit der AOK, für innovative Gesundheitsdienste zur Verfügung steht. Die Teilnehmer sind sich einig, dass nachhaltige Lösungen nur durch eine bessere Internetanbindung der Stadt und die Zusammenarbeit mit Krankenkassen und ärztlichen Vereinigungen möglich sind. Dazu muss sich die Stadt attraktiver präsentieren.